Das Dorf Schmacht

Ferien in Fangerien

Das heutige Dorf bestehend aus fünf Einzelhöfen liegt an der Niederung des Schmachter Sees und gehört zur Gemeinde Zirkow. Der Ortsname ist deutsch. Der Ort gehörte im 14. Jahrhundert zur Herrschaft Streu. 1386 verkaufte ihn Henning III. von Putbus an Volkwin Kumerow und am Anfang des 15. Jahrhunderts gelangte Schmacht in den Besitz des Bischofs von Roeskilde. 1780 erwarb das Haus Putbus den Besitz vom Bischof zu Roeskilde zurück.

Die Katasterunterlagen von Rügen reichen bis ins Jahr 1931 zurück. Im Jahr 1931 wird Asta von Riepenhausen als Eigentümer eingetragen. Ab dem Jahr 1935 folgt Malte von Veltheim und ab 1941 Malte von Putbus (bei Putbus und Veltheim handelt es sich wahrscheinlich um die gleiche Person). Im Zuge der Bodenreform der DDR wird 1951 Leo Sawiaczinski eingetragen. Zuletzt geht Schmacht 1968 in den Besitz des Rates der Gemeinde Zirkow über. Ab dieser Zeit werden die Höfe unterschiedlich genutzt und betrieben.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts besteht Schmacht aus drei Einzelhöfen und zwei Nebengebäuden, die bäuerlich betrieben werden. Die angrenzenden Acker werden nach dem Krieg leider auch in den Truppenübungsplatz der NVA einbezogen. Der Ort hat sein Gesicht schon zur DDR-Zeit verändert. Tourismus in bescheidener Form war angesagt und wird heute entsprechend ausgebaut. Die ruhige Lage im Auslauf des Schmachter Sees, etwas am Hang gelegen, lockt vor allen Dingen Menschen an, die Einsamkeit und Ruhe suchen und schätzen.

In unmittelbarer Nähe befand sich "Hagen". Es wurde ein Opfer der militärischen Nutzung dieses Gebietes, nachdem die Bewohner ausgesiedelt worden waren. Heute ist davon kaum noch etwas zu erkennen.

Schmacht liegt im sogenannten Naturschutzgebiet "Schmachter See und Fangerien"*.

 

* NSG-Nummer 292; Name Schmachter See und Fangerien; Naturschutzgebiet seit 1994; Landkreis Rügen; Größe 261,50 ha; Schutzgegenstand Biotopkomplex bestehend u.a. aus Flachsee mit großen Verlandungsbereichen, Röhrichten, Erlensümpfen

Das Haus 2

Mein Großvater Herrmann Härtling beginnt sein Engagement auf der Insel Rügen 1967. Für seinen Arbeitgeber, das Institut für Milchforschung in Oranienburg, pachtet er zunächst ein Grundstück in Binz, Prorarer Straße. Anscheinend verlaufen diese Ambitionen im Sande, so dass er 1968 beginnt, sich für das Bauernhaus in Schmacht zu interessieren.

Am 27.08.1968 schließt er mit den damaligen Nutzern Arthur Borks und Gertrud Papke eine Vereinbarung das Haus zu übernehmen. Der Nutzungsvertrag wird am 24.08.1968 mit dem Bürgermeister Siebenhüner der Gemeinde Zirkow geschlossen.

In den folgenden Jahren wird das unbewohnbare Haus zusammen mit der Familie Wiester aus eigenen Mitteln restauriert und ausgebaut. Heute kann man sich kaum vorstellen, was es hieß in der DDR ein Haus zu restaurieren oder zu bauen. Einerseits erhielt man u.a. für 359.59 Mark vier Verbundfenster und für 15,80 Mark wurden diese auch verglast, andererseits mußte man für die Verlegung von Dielen schon mal die Reparatur einer Lichtmaschine für eine 350er Jawa des Tischlers anbieten. Die Beschaffung der Dielen wurde übrigens mit Rezepturen für die Herstellung von Eiscreme gedankt?! Und Nägel kaufte man zu dieser Zeit noch in Gramm (100 Gramm für 1.60 Mark). Im Küchenboden stecken jetzt also 500 Gramm Nägel! Ich frage mich wieviel Kilo dann wohl im Dach verhämmert sind? Putz und Mörtel konnte man übrigens auch nicht einfach so kaufen. Den mußte man sich herstellen lassen, sofern man jemanden in einer Zementfabrik kannte. Den Küchenputz verdanken wir nun also dem "Lieben Gerhard". In dieser Zeit erhält das Haus auch einen anderen Giebelaufbau und ein neues Dach mit z. T. alten umgedeckten Reet.

Inzwischen schreibt man das Jahr 1971 und zum großen Ferienglück fehlte eigentlich nur noch großer, ordentlicher Strom (25 Amp.). Die Kinder werden also damit beauftragt den Graben auszuheben, damit die Firma PGH-Elektro-Einheit (z. Hd. des Koll. Schmidt; wie gesagt, Strom nur dann, wenn man jemanden bei der PGH-Elektro-Einheit kennt) das Elektro-Kabel verlegt und anschließt. Schon zwei Jahre später am 26.09.1973 war es endlich soweit. Der große Strom wurde angeschlossen (717,18 Mark). Wasser wird zu dieser Zeit einem Brunnen entnommen. Aber dazu später.

Im Jahre 1974 läßt das VEB Möbelkombinat Nord für ihre Ferienhäuser in Schmacht (Heute Hauptgebäude Familie Kolb, www.ferienhaus-schmacht.de) einen Anschluss an das Wasserversorgungsnetz Zirkow/Pantow für 12.375,08 Mark legen. Die übrigen Häuser in Schmacht werden an diesen Anschluss miteinbezogen. Mein Großvater staunt nicht schlecht als er zwei Jahre später die Rechnung hierfür erhält. Da keine getrennten Zähler für die einzelnen Häuser installiert werden, wird die Rechnung aufgrund der Bettenanzahl ermittelt. Betten gibt es in seinem Haus viele. Nur genutzt werden diese zu dieser Zeit nur selten, da das Haus ausschließlich von Familienmitgliedern in der Urlaubszeit benutzt wird. Die Häuser des VEB Möbelkombinates Nord hingegen werden fast das ganze Jahr über an Betriebsmitglieder vermietet und verfügen außerdem über mehrere Sanitär- und Duschräume. Der Wasserverbrauch ist entsprechend hoch. Für den Anschluss allein werden ihm 900 Mark berechnet. Nach etlichen Briefwechechseln einigt man sich anscheindend auf 600 Mark für den Anschluss und läßt einen Zähler in seinem Haus installieren, um den genauen Wasserverbrauch zu ermitteln. Dieser fällt wie erwartet ensprechend gering aus.

1976. Das Haus wird endlich als Ferien- und Wochenendhaus für die "Reproduktion der Arbeitskraft" (so hieß das damals) genutzt. Auch in den folgenden Jahren wird am Haus nach DDR-Möglichkeiten beständig weiter aus- und umgebaut.

Diese DDR-Möglichkeiten lassen sich noch Heute bewundern: Die linke Haushälfte paßt nicht zur Rechten. Der Fußbodenbelag nicht zur Wandverkleidung und eine Tür kann schon mal auf jeder ihrer Seiten eine andere Klinke haben. Viele Räume sind noch immer im Charme des Standards der 70/80er Jahre erhalten. So ist das Haus in Schacht auch immer eine kleine Reise in die Vergangenheit der DDR.

1977. Ich werde geboren und verbringe seit dieser Zeit den Großteil der Ferien zusammen mit meinen Eltern und oder Großeltern in Schmacht. Meine schönsten Erinnerungen an die Kindheit sind seitdem an diesen Ort geknüpft.

1990. Die Wende. Am 06.05.1990 stellt mein Großvater zum ersten Mal einen Antrag auf Kauf des Grundstücks bzw. eine Eintragung zum Vorkaufsrecht. Zu seinen Lebzeiten wird dieser Kauf nicht mehr zu stande kommen und er ist es bis Heute nicht. Die Bemühungen zum Erwerb des Grundstückes sind eine Odyssee durch Bundesdeutsche Ämter und Behörden. Zunächst scheitern sie an Zuständigkeitsfragen. Danach an anhängenden Klagen der Erben von Malte von Putpus und ungeklärten Eigentumsverhältnissen. Den letzten Antrag zum Kauf des Grundstücks unternimmt mein Großvater nach Klärung der Eigentumsverhältnisse am 12.05.1997. Er wird wiederum an ein anderes Amt verwiesen. Nach seinem Tod im Jahre 1998 übernimmt meine Großmutter die Bemühungen. Seit dem 23.11.2000 ist beim Bundesvermögensamt Rostock ein Kaufinteresse in der Liegenschaftsakte vermerkt. Das Amt nennt sich inzwischen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BiMA) und übernimmt als Rechtsnachfolger alle Aufgaben. Eine Entscheidung darüber steht bis Heute aus.

2006. Anneliese Wiester kündigt ohne Absprache mit Ablauf des Jahres 2005 ihren Nutzungsvertrag in Schmacht. Die Einrichtung und die Einbauten in dem von ihr genutzten Teil des Hauses läßt sie von einer Firma zerstören. In einem Nachtragsvertrag am 23.03.2006 wird meine Großmutter Vera Härtling vertreten durch meinen Vater Frank Beirau alleinige Pächterin des gesamten Grundstücks und des darauf befindlichen Hauses.

2007. In einem Schreiben ganz anderen Ursprungs teilt uns die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mit, dass die Liegenschaft zum Verkauf aussteht. Wir hoffen wieder einmal das Grundstück erwerben zu können.

gez. Crispin Beirau